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Kommentar von Willi Zylajew, pflegepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
Gesundheitsfonds, Zusatzbeiträge, personenbezogene Beitragsanteile – dies sind die Schlagworte, die zurzeit die gesundheitspolitischen Diskussionen beherrschen. Es darf dabei nicht übersehen werden, dass es auch andere Themenfelder gibt, die einer sachlichen Auseinandersetzung bedürfen. Der Bereich Pflege gehört zweifelsohne dazu. Die im Koalitionsvertrag vorgesehene Finanzierungsreform ist nur ein Element. Weiterhin stehen die Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes sowie die Reform der Pflegeausbildung auf der politischen Agenda. Ein ehrgeiziges Projekt, zu dem es keine Alternative gibt. Die Pflege ist nicht nur ein politisches, sondern vor allem ein gesellschaftliches Thema.
Pflege geht uns alle an. Entweder werden Angehörige pflegebedürftig oder wir werden selbst zum Pflegefall. Vor allem durch die demografische Entwicklung werden wir mit dieser Problematik konfrontiert. Dieses Bewusstsein ist im größten Teil der Bevölkerung, vor allem bei den jüngeren Generationen, nur gering vorhanden. Auch das Image der Pflege, insbesondere das der Pflegeberufe, leidet unter dieser Situation. Die meisten Berufe in der Gesundheitswirtschaft genießen einen besseren Ruf als Altenpflegerinnen und Altenpfleger. Dabei leisten diese Menschen eine großartige Arbeit. Ohne ihr Engagement könnten unsere Pflegebedürftigen nicht umsorgt werden. Eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Pflege ist aus arbeitsmarktpolitischen sowie aus gesellschaftlichen, finanziellen und bildungspolitischen Gründen unerlässlich. Um das Ansehen der Pflege zu verbessern, benötigen wir ein »Aktionsbündnis Pflege«, um das Thema verstärkt in die Bevölkerung hinein zu tragen. Zur methodischen Herangehensweise kann z.B. die Aids-Kampagne als Vorbild dienen. Diese Kampagne hat beispielhaft dazu beigetragen, die Bevölkerung zu sensibilisieren. Im Mittelpunkt des Aktionsbündnisses Pflege müssen zwei Fragen stehen: »Wie kann eine gute Pflege sichergestellt werden?« und »Was ist unserer Gesellschaft die Pflege wert?«. Bei der Umsetzung sind als politische Akteure die Ministerien für Gesundheit, für Familie, für Bildung und Forschung sowie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefordert. Auch Institutionen, u.a. die Wohlfahrtsverbände und deren Träger und Einrichtungen, die Krankenversicherungen, die freie Wirtschaft sowie Bildungsinstitutionen, die Pflegewissenschaft und letztlich die Medien müssen sich für ein neues Verständnis von Pflege in unserem Land stark machen. Es gilt, die Gesundheitswirtschaft zu aktivieren, die Gesellschaft zu sensibilisieren und Nachhaltigkeit zu sichern. Die vielfältigen Herausforderungen in der Pflege können nur durch gemeinsames Engagement und Handeln aller Kräfte in der Pflegebranche und Gesellschaft bewältigt werden. Ein Aktionsbündnis kann einen großen Beitrag dazu leisten.
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